Antirassismus

Kultur & Rassismus

Rassismus ist ein Thema, das in Medien und Politik immer wieder hitzig debattiert wird. Was die einen als Rassismus anprangern, halten die anderen für ein Missverständnis, tun es als Überempfindlichkeit ab oder aber als Versuch der politischen Instrumentalisierung. Ganz offensichtlich herrscht in unserer Gesellschaft eine gewisse Unklarheit darüber, was Rassismus tatsächlich ist.

 

Die begriffliche Unschärfe ist insofern nicht verwunderlich, als sich die Definition von Rassismus über die Jahre erheblich verändert hat. Galten früher nur pseudowissenschaftliche Vorstellungen der Rassenlehre über Genetik und biologische Konstitution als rassistisch, hat sich der Fokus heute deutlich erweitert. Inzwischen werden auch grob vereinfachende, verallgemeinernde und wertende Vorstellungen über kulturelle Identität aus wissenschaftlicher Sicht als rassistisch klassifiziert.

 

Diese Neuorientierung hat mit der Erkenntnis zu tun, dass der Kulturbegriff heute in der öffentlichen Debatte oft unwissentlich falsch gebraucht und als salonfähige - wenn auch inhaltlich mehr oder weniger identitsche - Alternative zum alten biologistischen Rassebegriff verwendet wird. Die Kultur 'der Anderen' erscheint dadurch als unverrückbarer Wesenskern an Denk- und Handlungsweisen und wird überdies häufig als weniger modern, zivilisiert oder moralisch empfunden.

 

Vor diesem Hintergrund schließt die Auseinandersetzung mit Kultur, inter- und transkultureller Kompetenz immer ein gewisses Maß an Rassismuskritik mit ein. Die Verknüpfung dieser Themenfelder ist außerdem auch deshalb erforderlich, weil rassistische Denkmuster - anders als vielfach behauptet - kein individuelles Problem oder gar ein persönlicher Makel sind. Sie sind vielmehr ein kulturelles Problem.


Antirassismus

Rassistische Denkweisen sind ein Teil unserer Kultur. Sie sind nicht angeboren oder fallen uns sonstwie in den Schoß, sie werden uns beigebracht. Das passiert natürlich nicht absichtsvoll und willentlich, sondern unbewusst durch die allgegenwärtige und zumeist unbemerkte Präsenz rassistischer Vorstellungen in unserer Gesellschaft. Schon Bücher und Fernsehsendungen für Kinder transportieren durch die zwar wohlgemeinte aber oft inhaltlich falsche und problembehaftete Darstellung von Kultur und kultureller Differenz rassistische Stereotype.

 

Selbstverständlich ist niemand schuld daran, dass ihm oder ihr seit frühester Kindheit rassistische Klischees eingeprägt wurden. Die wichtigste Aufgabe von Rassismuskritik besteht deshalb darin, Rassismus als strukturelles Phänomen transparent zu machen, also die Existenz und Wirkungsweise rassistischer Strukturen versteh- und erfahrbar werden zu lassen.

 

Antirassismus bedeutet darüber hinaus, sich eine reflektierte Meinung zu bilden, sich einen eigenen Standpunkt zu erarbeiten und Position zu beziehen. Es geht nicht nur darum, über Rassismus zu reden, sondern auch und vor allem darum, gegen seinen Einfluss aktiv zu werden - sowohl im Sinne der Selbstreflektion des eigenen Denkens und Handelns, als auch im Sinne der sozialen Verantwortung gegenüber dem Denken und Handeln anderer, und, in letzter Konsequenz, der gesamtgesellschaftlichen Reform.